2026-06-30_Humbaur01

Humbaur in Gersthofen
Erster Warnstreik in der Firmengeschichte

165 Kolleginnen und Kollegen sowie Delegationen aus zahlreichen Betrieben der Region haben heute beim Warnstreik vor den Toren der Humbaur GmbH in Gersthofen ein kraftvolles Signal ausgesendet: Die Beschäftigten erwarten Respekt, Verhandlungen und einen neuen Tarifvertrag


1. Juli 2026 1. Juli 2026


Bei sommerlichen Temperaturen versammelten sich die Beschäftigten gemeinsam mit Unterstützerinnen und Unterstützern aus anderen Betrieben der Region, um deutlich zu machen: Die Belegschaft steht geschlossen hinter ihrer Forderung, dass die Geschäftsleitung an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Tarifvertrag nicht vom Himmel gefallen

Ob Mitbestimmung über einen Betriebsrat oder auch ein erstes Entgeltplus durch einen Tarifvertrag – alles haben sich die Beschäftigten in teilweise widrigen Umständen erkämpft.  „Wir suchen diese Form der Auseinandersetzung nicht aus ‚Spaß an der Sache‘ oder weil uns langweilig ist, sondern weil wir uns leider stets vom Unternehmen dazu gezwungen sehen“, erklärt der zuständige Gewerkschaftssekretär von der IG Metall, Jonas Lang, die Umstände im Betrieb.

Zurückliegende Erfolge waren keine Selbstverständlichkeit. Sie wurden durch den Einsatz der Beschäftigten, den Zusammenhalt in der Belegschaft und die Unterstützung der IG Metall möglich.

Nun ergibt sich eine neue Herausforderung im Umgang zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft: die aktuellen Tarifverhandlungen wurden vom Arbeitgeber abgebrochen. Genau dagegen richtete sich der gestrige Warnstreik. Die Aufgaben des Unternehmens sind bekannt. Viele Investitionen müssen getätigt werden, um den Standort fit für die Zukunft zu machen. „Genau deshalb haben wir uns in den ersten Gesprächen sehr kompromissbereit gezeigt. All das wird jedoch abgelehnt, aber so funktioniert es nun einmal nicht. Bei Tarifverhandlungen müssen beide Seiten aufeinander zugehen, nicht nur eine und die andere wendet sich dann beleidigt ab, wenn Maximalforderungen nicht durchgehen", ergänzt Lang.

Investitionen dürfen sich nicht auf Maschinen und Anlagen beschränken. Wer Zukunft gestalten will, muss auch in die Menschen investieren. Gute Entgelte sind kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in Motivation, Zufriedenheit und den Erfolg des Unternehmens.
 

Solidarität aus der ganzen Region

Besonders stark war das Signal der Solidarität. Delegationen aus anderen Betrieben der Region waren nach Gersthofen gekommen, um die Humbaur-Beschäftigten zu unterstützen.

In den Redebeiträgen wurde deutlich: Tarifflucht ist kein Problem eines einzelnen Betriebs. Wenn Arbeitgeber versuchen, sich aus tariflichen Verpflichtungen zu verabschieden, betrifft das die gesamte Arbeitswelt in der Region. Deshalb war die Botschaft der anwesenden Kolleginnen und Kollegen eindeutig: Wer Tarifstandards angreift, bekommt es mit der Solidarität der Augsburger IG Metall-Familie zu tun.

Die Erfahrungen aus anderen Betrieben der Region zeigen, dass Beschäftigte dann erfolgreich sind, wenn sie zusammenstehen und sich nicht auseinanderdividieren lassen.

Klare Botschaft an die Geschäftsleitung

Die Beschäftigten haben heute deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für ihre Interessen einzutreten. Ihr Ziel ist dabei klar: Sie wollen einen fairen und respektvollen Dialog über die Zukunft ihrer Arbeitsbedingungen.

Die IG Metall Augsburg fordert die Geschäftsleitung deshalb auf, ihre Blockadehaltung aufzugeben und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Andernfalls steht eine weitere Eskalation im Raum. „Der heutige Tag hat doch gezeigt, dass die Belegschaft bereit ist und wir gehen davon aus, dass sich im Laufe von weiteren Arbeitsniederlegungen noch mehr Beschäftigte dem Vorhaben ‚Durchsetzen eines Tarifabschlusses‘ anschließen werden,“ schätzt Matti Riedlinger, 2. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Augsburg, die Situation ein.

Eiskalter Abschluss

Zum Abschluss des Warnstreiks gab es für alle Teilnehmenden noch eine Kugel Eis aus dem Eiswagen. Bei strahlendem Sonnenschein in Gersthofen war das der perfekte Schlusspunkt einer erfolgreichen Aktion. Während das Eis für die notwendige Abkühlung sorgte, blieb die Botschaft der Beschäftigten glasklar: Wir stehen zusammen, wir stehen für Tarifbindung und wir erwarten, dass Humbaur an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Kontakt
Lang Jonas
IG Metall Augsburg

Jonas Lang

Angestellte, Entgelt